Im Interview mit Strickdesignerin Rina Lehmann

Über ihre Designreise mit Herz und Intuition

Rina mit ihrem Dreieckstuch Feeling Peachy

Stricken bedeutet für viele mehr als nur das Erschaffen von Maschen – es ist ein kreativer Ruhepol, ein Raum für Selbstentfaltung und ein Stück gelebte Tradition. Für Designerin Rina Lehmann begann diese Reise vor 25 Jahren, als ihre Oma ihr die ersten Schritte zeigte. Heute gestaltet sie detailverliebte Strickmuster, die von texturierten Strukturen und intuitiver Kreativität geprägt sind.

Im Interview spricht Rina darüber, was sie bis heute am Stricken fasziniert, welche Herausforderungen sie antreiben und weshalb jede ihrer Ideen ein bisschen wie frisch verliebt sein fühlt.

Was hat dich vor 25 Jahren zum Stricken gebracht und was hält deine Begeisterung bis heute lebendig?

Das war bei mir so wie bei vielen Strickenden: meine Oma hat es mir beigebracht. Bei ihr habe ich in meiner Kindheit viel Zeit verbracht und viele Handarbeitstechniken von ihr gezeigt bekommen. Warum meine Begeisterung fürs Stricken bis heute nicht abgeebbt ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich denke, es bringt mich einfach sehr zur Ruhe und ist deswegen von klein auf ein wichtiges Tool für mich, um zu entspannen.

 

Welche Elemente oder Details tauchen in deinen Designs immer wieder auf und sind zu deinem persönlichen Markenzeichen geworden?

Ich mag texturierte Muster. Ich arbeite beispielsweise sehr gern mit verkreuzten Maschen, um diagonale Linien oder Zackenmuster zu erzeugen. Aber ich glaube, als Markenzeichen hat sich das noch nicht etabliert.

Wie unterscheiden sich deine ersten Designs von deinen heutigen?

Mein erstes Design waren 2019 die “Stonehouse Socks” und der Unterschied zu heute ist, dass ich schon länger keine Sockenmuster mehr designe. Das letzte Paar habe 2020 entworfen, ich habe mich dann relativ schnell auf die Tücher eingeschossen.

Wann wird ein Design einfach, wann anspruchsvoll?

Tatsächlich entscheide ich das ganz intuitiv, je nachdem, was mir selbst gerade gut tut. Ist mein Leben gerade turbulent, brauche ich ein einfaches Design. Ist es ruhiger, habe ich auch mehr Platz in meinem Kopf für herausfordernde Projekte.

Welche ungewöhnliche Inspirationsquelle hat dich zu einem deiner Designs geführt?

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich gar keine klassischen Inspirationsquellen habe, so wie man es vielleicht von anderen Designer kennt. Mich inspiriert meistens direkt das Garn oder bestimmte Muster, die ich in Musterbüchern entdecke. Oft entstehen die Ideen auch in ganz
normalen Alltagssituationen, während ich z. B. eine Tätigkeit im Haushalt ausführe und in meinen Gedanken versunken bin. Also eher gewöhnlich als ungewöhnlich würde ich sagen.

Fehler und daraus lernen gehören für dich zur Strickreise dazu. Welche "glückliche Entdeckung" hast du durch einen vermeintlichen Fehler gemacht?

Dass es sich wirklich lohnt, von Anfang an jeden noch so kleinen Schritt mitzuschreiben, auch wenn man erstmal denkt “Ach, das merk ich mir!”. Spoiler: Nein, das merkt man sich nicht und dann sitzt man da und weiß nicht mehr, wie man zu einem Muster oder einer
Abfolge gekommen ist.
Aber diesen Fehler mache ich leider immer wieder, ich mag es nicht zum Schreiben zu unterbrechen wenn ich gerade im Flow mit dem Stricken bin.

Wie gelangst du von der Idee zum fertigen Strickmuster?

Das Wichtigste hierbei für mich ist, dass ich vom ersten Moment an Feuer und Flamme für ein Design bin. Das fühlt sich dann ein bisschen so an, als wäre man frisch verliebt. Denn der Designprozess kann manchmal zäh sein und dann braucht man Durchhaltevermögen.
Ohne den “Funken” verliere ich dann die Lust, falls ich ein Design zum dritten oder vierten Mal beginnen muss, weil es noch nicht 100%ig so ist, wie ich es haben möchte.

Bei dem Tuch "Zig Zag Honeycombs" arbeitest du von einer Schmalseite zur anderen. Das reizvolle Honigwabenmuster entsteht durch rechte und linke Verkreuzungen sowie verschränkte Maschen.

Wenn du eine Innovation fürs Stricken erfinden könntest – was wäre das?

Garnproben über den Bildschirm beim Onlineshopping wären toll, zum Anfassen und zum Farben gut erkennen. Ich ärgere mich oft darüber, dass die Farbe, die ich bestellt habe, Zuhause ganz anders aussieht als am Bildschirm.

Welche Designidee wartet noch darauf, von dir verwirklicht zu werden?

Definitiv eigene Sweaterdesigns! Einerseits habe ich mich bisher einfach noch nicht rangetraut. Und andererseits warte ich immernoch auf den Lebensabschnitt, an dem ich mal richtig Zeit und Ruhe habe, mich einzuarbeiten. Die letzten Jahre waren einfach zu turbulent.
Mal sehen, wann es soweit ist.

Vielen Dank Lieblingsgarn, dass ich ein paar Fragen für euch beantworten durfte. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Entdecke weitere Strickdesigns von Rina Lehmann

Das Gespräch mit Rina zeigt, wie viel Herzblut, Intuition und Persönlichkeit in jedem ihrer Designs steckt. Zwischen Alltagsinspiration, kreativen Funken und der Gelassenheit, Fehler als Lernmomente zu sehen, entsteht eine Strickwelt, die sowohl einladend als auch überraschend vielfältig ist. Während einige ihrer künftigen Projekte – wie eigene Sweaterdesigns – noch darauf warten, Wirklichkeit zu werden, dürfen wir uns jetzt schon auf viele weitere Muster freuen, die ihre unverwechselbare Handschrift tragen.

Vielen Dank an Rina für die offenen Einblicke und die Freude, die sie mit ihrer Leidenschaft fürs Stricken teilt.



Mehr Inspiration gefällig?

Entdecke in unserem Blog die Gesichter hinter den Mustern: Strickdesigner erzählen von ihrer Arbeit, ihren Inspirationen und dem Besonderen ihrer Designs. Tauche ein in ihre kreative Welt – und finde vielleicht dein nächstes Strickprojekt.

 

   


Johanna Schütz

   


Rita Koch


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